Rentenversicherungspflicht !
Jeder der nach dem 31.12.2012 einen Minijob aufgenommen hat, unterliegt der Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung. Ausnahme: Bezieher einer Vollrente wegen Alters, Ruhestandsbeamte, Bezieher einer berufsständischen Altersversorgung und Arbeitnehmer, die bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze nie rentenversichert waren, unterliegen nicht der Versicherungspflicht. Alle Rentenversicherungspflichtige erhalten das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung, welches zum Beispiel medizinische Rehabilitation oder Rente wegen Erwerbsminderung beinhaltet.

Hierfür werden dann 3,9 Prozent ihres Einkommens in die Rentenkasse gezahlt. Bei einer Beschäftigung in einem Privathaushalt sind es sogar 13,9 Prozent. Mit einem Monatslohn von 450 Euro, sind das bei einem gewerblichen Arbeitgeber 17,55 Euro Eigenanteil im Monat für den Arbeitnehmer. Arbeiten sie bei einem privaten Haushalt so sind das 62,55 Euro. Sie als 450 Euro Jobber, erwerben hierdurch Versicherungsschutz mit allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung – einschließlich Reha-Maßnahmen, Erwerbsminderungsrenten und der Möglichkeit, Riester-Renten staatlich gefördert zu bekommen.

Vorteile der Rentenversicherungspflicht
Bei einem 450 Euro Job während eines ganzen Jahres erhöht sich ihre spätere Rente, nach heutigen Gesetzgebung, um rund 4,50 Euro. Diese Versicherungspflicht in der Rentenversicherung kann mit dem unten angegeben Antrag zwar abgewählt werden, aber wir raten aber nicht dazu. Denn zum einen sind 4,50 eben auch 4,50 und zum anderen zählen, für den späteren Anspruch an Rente, eben auch die eingezahlten Jahre um den vollen Anspruch an Rente geltend machen zu können. 

Die wichtigen Vorteile der Versicherungspflicht für den Minijobber ergeben sich aus dem Erwerb von Pflichtbeitragszeiten in der Rentenversicherung. Pflichtbeitragszeiten sind beispielsweise Voraussetzung für
* einen früheren Rentenbeginn
* Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation (sowohl im medizinischen Bereich als auch im Arbeitsleben)
* den Anspruch auf Übergangsgeld bei Rehabilitationsmaßnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung,
* die Begründung oder Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Rente wegen Erwerbsminderung,den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung und
* die Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen für eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung (zum Beispiel die so genannte Riester-Rente) für den Arbeitnehmer und gegebenenfalls sogar den Ehepartner.

Darüber hinaus wird das Arbeitsentgelt nicht nur anteilig, sondern in voller Höhe bei der Berechnung der Rente berücksichtigt. Da der Arbeitgeber bereits 15 Prozent Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung zahlt, ist von dem Minijobber nur die geringe Differenz zum allgemeinen Beitragssatz von 18,9 Prozent im Jahr 2013 auszugleichen. Das sind 3,9 Prozent Beitragsanteil für den Minijobber.

Rentenversicherungspflicht ablehnen?
Ob und wann die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht sinnvoll ist. Die Beantwortung dieser Frage ist von verschiedenen Kriterien abhängig. Die Beschäftigungszeiten in einem Minijob, bei dem sich der Arbeitnehmer von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt, werden nicht in vollem Umfang als Beitragszeit gewertet. Beitragszeiten sind jedoch wichtig, um überhaupt bestimmte Rentenarten zu erwerben. Die Dauer der erforderlichen Beitrags- und ,,Wartezeiten" ist je nach Rentenart unterschiedlich. Gerade Frauen fehlen häufig Beitragszeiten durch Lücken in der Beschäftigung.

Um eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen zu können, müssen in den letzten 5 Jahren vor dem Versicherungsfall mindestens für 3 Jahre Pflichtbeitrage gezahlt worden sein.

Damit Beipielsweise eine Frau ab 60 die Altersrente für Frauen erhalten kann (nur noch möglich bis Geburtsjahrgang 1952, verbunden mit Rentenabschlagen), muss sie nach Vollendung des 40. Lebensjahres mehr als 10 Jahre Pflichtbeitragszeiten nachweisen. Pflichtbeitragszeiten können bei Verzicht auf die Rentenversicherungspflicht jedoch nicht erworben werden.

Arbeitnehmer, deren einzige Erwerbstätigkeit ein Minijob ist, sollten daher im Regelfall nicht auf die Ren­tenversicherungspflicht verzichten, um rentenrelevante Versicherungszeiten zu erwerben oder bereits bestehende An­spruche nicht zu verlieren.

Folgen einer Befreiung !
* Die Befreiung von der Versicherungspflicht ist für die Dauer aller Beschäftigungen bindend und kann nicht widerrufen werden!
* Über den Befreiungsantrag hat der Minijobber alle weiteren (auch zukünftige) Arbeitgeber zu informieren, bei denen sie eine geringfügige Beschäftigung ausübt. 
* Auch die staatliche Forderung für den Aufbau einer privaten Riester-Rente können Minijobberinnen nicht in Anspruch nehmen, wenn sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Es hängt also von den Bedingungen des Einzelfalles ab, wie die Entscheidung ausfällt. Lassen Sie sich bitte vor Ihrer Entscheidung, ob Sie sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen wollen, von der Deutsche Rentenversicherungsanstalt beraten. Die Rentenversicherungsanstalt ist für Sie als Minijobber auch telefonisch erreichbar, von Montag bis Donnerstag von 7:30 bis 19:30 und am Freitag von 7:30 bis 15:30 unter dem kostenfreien Telefon: 0800 1000 4800

Hinweis: 
Die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung informieren umfassend über rentenrechtliche Auswirkungen der Versicherungspflicht oder über die persönlichen Folgen der Befreiung von der Versicherungspflicht unter Berücksichtigung aller persönlichen Umstände. Vor der Entscheidung gegen die Versicherungspflicht wird eine individuelle Beratung bezüglich der rentenrechtlichen Auswirkungen empfohlen. Wenn Sie unabhängige Angebote zur Rentenversicherung benötigen, so empfehlen wir Ihnen auch Versorgerwechsel.info

Antrag auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht (PDF, 41 KB) 


Befreiungsfristen
Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht wirkt grundsätzlich ab Beginn des Kalendermonats, in dem der Antrag beim Arbeitgeber eingeht, frühestens ab Beschäftigungsbeginn. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber der Minijob-Zentrale die Befreiung bis zur nächsten Entgeltabrechnung, spätestens innerhalb von sechs Wochen nach Eingang des Befreiungsantrags, anzeigt. Anderenfalls beginnt die Befreiung erst nach Ablauf des Kalendermonats, der dem Kalendermonat des Eingangs der Meldung bei der Minijob-Zentrale folgt.

Der Eigenanteil in Höhe von 3,9 Prozent des Arbeitsentgelts sowie die Vorteile aus der Rentenversicherungspflicht entfallen ab diesem Zeitpunkt.

Abzug des Arbeitnehmeranteils nur für die letzten drei Entgeltzeiträume möglich
Grundsätzlich trägt der Minijobber seinen Eigenanteil von 3,9 Prozent vom Arbeitsentgelt selbst. Der Arbeitgeber hält den Arbeitnehmeranteil vom Arbeitsentgelt ein und führt diesen zusammen mit den übrigen pauschalen Abgaben an die Minijob-Zentrale ab.

Wird die rechtzeitige Übermittlung der Meldung zur Sozialversicherung für die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht nicht innerhalb der Sechs-Wochen-Frist angezeigt (Beispiel 2), sind die Arbeitnehmeranteile bis zur tatsächlichen Wirkung der Befreiung durch den Arbeitgeber an die Minijob-Zentrale zu entrichten.

Ist der Abzug des Arbeitnehmeranteils unterblieben, ist es möglich, dass der Arbeitgeber den Eigenanteil des Minijobbers nicht nachträglich vom Arbeitsentgelt einbehalten darf. Einen fehlenden Abzug vom Lohn darf der Arbeitgeber grundsätzlich nur bei den drei nächsten Entgeltabrechnungen nachholen. Liegt der Entgeltabrechnungszeitraum weiter zurück, muss der Arbeitgeber in diesen Fällen den eigentlich vom Arbeitnehmer zu zahlenden Anteil selbst aufbringen und an die Minijob-Zentrale abführen. Zulässig ist eine weiter gehende Rückrechnung nur dann, wenn den Minijobber ein Verschulden trifft (§ 28g Satz 3 Sozialgesetzbuch - Viertes Buch).

Riester Rente 
Die Riester Rente ist eine vom Staat geförderte Form der Altersvorsorge. Zur freiwilligen Altersvorsorge, über die sich jeder ernsthafte Gedanken machen muss, kommt eine Altersvorsorgezulage, die von Walter Riester ins Leben gerufen wurde. Daher hat die Riester Rente auch ihren Namen. Anfangs etwas argwöhnisch betrachtet und nur von wenigen genutzt, hat sich die Riester Rente als eine sinnvolle Anlagemöglichkeit erwiesen, der immer mehr Menschen mit offenen Ohren gegenüber stehen. Nicht zuletzt weil die gesetzliche Rente immer weiter schrumpft, sollte man die Riester Rente, die in der Geschichte der Sozialversicherungen einen ganz neuen Weg beschreitet, durchaus nutzen. Die Zulage, die man dabei erhält, soll neben der sinnvollen Altersvorsorge auch zugleich ein Ausgleich für die Verluste durch die Reduzierung der gesetzlichen Rente sein. Die Altersvorsorgezulage der Riester Rente kann auch für Bank- oder Fondsparpläne in Frage kommen. Lassen Sie sich beraten, denn Sie haben nichts zu verschenken.